Die Befunddaten vom Schlachthof liefern wichtige Hinweise zur Verbesserung der Bestandsgesundheit. Deshalb lohnt es sich, hin und wieder beim Schlachten der eigenen Schweine dabei zu sein. 

Die Befunddaten, die am Schlachtband von Schweinen erhoben werden, erzählen viel über das Leben der Tiere. Ging es ihnen während Aufzucht und Mast gut, oder hatten sie gesundheitliche Probleme? War das Stallklima optimal? Wird ausreichend gereinigt und gut desinfiziert?

Auf viele dieser Fragen können die Schlachthofbefunde Antworten liefern. Insbesondere bei Atemwegsproblemen im Bestand kann man am Schlachtband anhand der Lungenbefunde in manchen Fällen sogar ziemlich genau eingrenzen, welcher Erreger als Ursache für die Probleme in Frage kommt. Deshalb lohnt es sich hin und wieder die eigenen Schweine zum Schlachthof zu begleiten und dem amtlichen Personal am Schlachtband über die Schulter zu schauen.

[…]“Husten kann viele Ursachen haben, von Mykoplasmen bis hin zu Influenza- oder PRRS-Viren. Häufig handelt es sich auch um Mischinfektionen oder Managementfehler. Klarheit, welcher Erreger die Hauptursache ist, bekommt man häufig erst, wenn man sich die Lungen der Tiere anschaut und eventuell im Labor untersuchen lässt. Denn die Krankheitsbilder unterscheiden sich deutlich“, begründet Gersmanns Hoftierarzt Marius Fillmer, warum sich die beiden für einen Schlachthof-Check entschieden. „Wenn ich nur ein einzelnes Schwein untersuchen lasse, ist die Gefahr groß, dass ich einen Erreger nachweise, der mit dem Krankheitsgeschehen vielleicht nur indirekt zu tun hat. Auf dem Schlachthof haben wir dagegen die Gelegenheit, auf einen Schlag 150 Lungen unter die Lupe zu nehmen“, lobt Fillmer die Vorteile des Schlachthof-Checks.
Aber auch das Schlachtunternehmen profitiert davon, wenn die Schweinehalter ihr Tiergesundheitsmanagement aufgrund der am Schlachtband gewonnenen Erkenntnisse anpassen. Dr. Bernemann dazu: „Je weniger Teilschäden und Brustfellentzündungen in einer Lieferpartie auftreten, desto weniger Tiere müssen am Schlachtband ausgeschleust werden. Jede Beanstandung kostet Geld, macht obendrein zusätzliche Arbeit und verursacht unter Umständen vermeidbare Kosten.“ […]

Zusammenfassung:

  • Befunddaten vom Schlachthof liefern wertvolle Hinweise für das Tiergesundheitsmanagement
  • Bei Atemwegsproblemen lässt sich anhand der Befunde oftmals die Ursache genauer eingrenzen
  • Landwirte sollten deshalb häufiger beim Schlachten ihrer Schweine dabei sein
  • Auch der Schlachthof profitiert davon. Weniger Befunde machen weniger Arbeit und reduzieren die Kosten
  • Um die Ergebnisse noch vergleichbarer zu machen, wird an der Standardisierung der Befunddatenerfassung gearbeitet

Wollen auch Sie beim Schlachten dabei sein?

Hier die Ansprechpartner der fünf größten Schlachtunternehmen, die den Besuch gern für Sie organisieren.

  1. Böseler Goldschmaus, Einkauf Schwein, Tel: 04474/895-200
  2. Danish Crown, Einkaufsleiter DC Essen/Oldenburg, Tel: 05434/85142
  3. Müller Gruppe, Zentrale des SFZ Ulm, Tel: 0731/270620
  4. Tönnies, Zentrale Rheda-Wiedenbrück, Tel: 05242/961-4003 oder -315
  5. Westfleisch, Einkauf Schwein, Tel: 02541/8072170

Quelle: top agrar / Ausgabe 4/2019 / Spezialprogramm Schweinehaltung / S.4