Wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreichen sollte, stellt sich die Frage, wie die exportabhängige Branche diese Herausforderung meistern soll. Denn der Ausbruch in Belgien im vergangenen Jahr hat zwei Dinge deutlich gemacht:

  1. Das Virus kann sich durch den Faktor Mensch sprunghaft über Hunderte Kilometer ausbreiten.
  2. Bereits der erste ASP-Fall bei Wildschweinen führt dazu, dass der Schweinemarkt im betroffenen Land durch Handelsrestriktionen zusammenbricht. 

Allein der Wertschöpfungsverlust durch den Wegfall der Drittlandsmärkte beziffern Marktanalysten auf 27€ pro Schwein. Und in den Handelsvereinbarungen mit diesen Ländern ist festgeschrieben, dass wir für den Export eine zwölfmonatige ASP-Freiheit nachweisen müssen. Ab dem Tag X muss daher ein schnelles, hocheffizientes Eingreifen an erster Stelle stehen.

Die Veterinärzertifikate sind so zu erweitern, dass im Seuchenfall zwischen Weildschweine- oder Hausschweinebestand differenziert wird und ein Regionalisierungsprinzip gilt. Um auf mildere Ausfuhrrestriktionen hoffen zu können, muss den Handelspartnern glaubhaft kommuniziert werden, dass die Nutztierbestände durch ein hohes Maß an Biosicherheit vor einer ASP-Einschleppung geschützt sind. An dieser Stelle lässt eine SUS-Umfrage jedoch noch Verbesserungsbedarf erkennen. Aus der Umfrage geht hervor, dass die Hälfte der 250 Befragten angaben, dass die Schweinehalter grundsätzlich eine gute Seuchenvorbeuge betrieben würden, es aber einzelne Hygiene-Lücken gibt. 17% der Befragten erklärten sogar, dass die Biosicherheit noch deutlich verbessert werden muss. Als Leitlinie oder Richtschnur für die eigene Biosicherheit können die Auflagen in der Schweinehaltungshygiene-VO (SCHHaltHygV) dienen. Zudem wurden bereits von verschiedenen Institutionen und Verbänden Merkblätter, Checklisten und Hinweisschilder veröffentlicht. Auch wir haben bereits einen Artikel mit einer Checkliste des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dazu veröffentlicht. Auch der Deutsche Raiffeisenverband e.V. hat bereits ein Krisenhandbuch für die ASP zum Download aus dem Internet erstellt.

Für die Schweinehalter bedeutet Biosicherheit auch, die Arbeitskräfte zu informieren, insbesondere Arbeitskräfte aus den ASP-betroffenen Ländern wie Polen, Bulgarien oder Rumänien.

Angesichts des Schadens, den die Branche erleiden würde, wenn die ASP sich nur auf den Wildschweinebestand eingrenzen lassen würde, haben bereits etliche Schweinebetriebe eine Ertragsschadenversicherung abgeschlossen. Die starke Nachfrage und das angehäufte Versicherungsvolumen hat allerdings mehrere Versicherungen dazu veranlasst, keine Betriebe mehr aufzunehmen. Eine solche Versicherung ist eine Ergänzung der staatlichen Tierseuchenkasse. Sie deckt Ertragseinbußen und Zusatzkosten ab, die entstehen, wenn nicht der Betrieb selbst betroffen ist, er jedoch im Restriktionsgebiet liegt. Denn in diesem Fall greifen amtliche Anordnungen, darunter der Zwang zu Handelsuntersuchungen. Würde beispielweise in NRW ein Seuchenfall bei einem Wildschwein auftreten, gäbe es viele Auflagen Auflagen für die Verbringung und Vermarktung der Tiere. Dazu zählen Blutproben und klinische Untersuchungen.
Es stellt sich also die Frage, ob Tierärzte und Veterinärbehörden einer solchen Situation gewachsen wären. Denn einerseits müssten im Seuchenfall in schweinedichten Kreisen täglich Dutzende Transporte ein Prozedere an Untersuchungen durchlaufen. Zum anderen gilt es in Absprache mit den Jägern Maßnahmen zu ergreifen, die eine weitere Ausbreitung der ASP im Wildschweinebestand verhindern. Umso wichtiger sind ASP-Simulationsübungen, bei denen Handlungsschritte erprobt und Optimierungspotentiale aufgedeckt werden können.

Quelle: SUS / Ausgabe 2/19 / Seite 10 / Artikel: ASP: Sind wir vorbereitet?